Wenn der Stromversorger nicht mehr liefert

Was tun? Wenn der Stromversorger nicht mehr liefert

Wenn der Stromversorger nicht mehr liefert

Wenn Kunden von ihrem Stromversorger oder dem Grundversorger ein Schreiben erhalten, dass sie vorübergehend Strom aus der Grundversorgung erhalten, sollten sie direkt reagieren: Verbraucherschützer raten, den Stromversorger um konkrete Informationen zum Vorgang zu bitten, hierfür eine Frist zu setzen und gleichzeitig (im selben Schreiben) vorsorglich zu kündigen. In der Regel ist ihr Anbieter in Schwierigkeiten.

Hintergrund zur Grundversorgung

Die Ankündigung, dass vorübergehend der Grundversorger den Strom liefert, könnte den Kunden unter Umständen viel Geld kosten – möglicherweise zahlt er demnächst zwei Stromverträge. Diese Ankündigung kann immer vom Unternehmen oder vom örtlichen Grundversorger kommen, darauf weisen Verbraucherschützer hin. Der Vorgang wird automatisch ausgelöst, wenn der vertraglich gebundene Stromversorger seine Vertragspflichten zumindest vorübergehend nicht erfüllen kann. Da die Stromversorgung in Deutschland (und den meisten Staaten) per Gesetz nicht aus vertraglichen Gründen ausfallen darf, springt in so einem Fall automatisch der Grundversorger ein.

Das Problem für den Kunden: Er hat Schwierigkeiten, die Minderleistung seines Versorgers nachzuweisen und einen entsprechenden Preisnachlass durchzusetzen. Der Grundversorger möchte aber den gelieferten Strom auch bezahlt haben, und zwar in der Regel teurer als ein billiger Online-Anbieter. Daher steht nach Auffassung von Verbraucherzentralen den Stromkunden in so einem Fall ein Sonderkündigungsrecht zu. Auch einen neuen Anbieter sollten sich die Stromkunden schnellstmöglich suchen, um den teuren Grundversorgungstarif rasch wieder loszuwerden.

Im Anschreiben an ihren üblichen Stromlieferanten sollten die Kunden bei unklarere Informationslage darauf bestehen, eine eindeutige Auskunft zu künftigen Lieferungen zu erhalten. Hierzu empfiehlt sich eine Fristsetzung von zehn Tagen, nach deren Ablauf der Liefervertrag erlischt. Die Kündigung bleibt wirksam, auch wenn das Unternehmen zu einem späteren Zeitpunkt wieder Strom liefern kann. Das erteilte Lastschriftmandat sollten Betroffene beenden. Eine Schlussrechnung ist ebenfalls fällig, der aber bei unklaren Nachzahlungsforderungen widersprochen werden sollte.

Gibt es Beispiele für solche Vorfälle?

Die gibt es immer wieder, weil im harten Wettbewerb der Stromanbieter, die ja nur von den Versorgern den Strom einkaufen und ihn an die Kunden weitervermitteln, das eine oder andere Unternehmen auf der Strecke bleibt. Der jüngste Fall stammt aus dem Jahr 2016. Kunden des Hamburger Unternehmens Care Energy erhalten seit dem frühen Herbst Strom von ihrem Grundversorger.

Care Energy hatte sich mit seinem Netzbetreiber 50Hertz gestritten. Gegenseitige Verträge zur Stromentnahme waren Ende Juni per Kündigung durch 50Hertz ausgelaufen, Care Energy musste daraufhin auf die Grundversorgung zurückgreifen. Das Unternehmen teilte seinen betroffenen Kunden aus Hamburg und Ostdeutschland mit, dass es für die Mehrkosten aufkommen werde. Das scheint jedoch mit Stand Ende Oktober 2016 unklar. Verbraucherschützer – vor allem die Verbraucherzentralen Brandenburg und Hamburg – warnen, Wettbewerber möchten die Lücke gern füllen. Sie warnen ebenfalls vor Care Energy und versprechen den Kunden Boni, wenn diese zu ihnen wechseln.

Zwar sind solche Aktionen durch das Marketing dieser Firmen getrieben, doch es stecken handfeste Fakten dahinter. Wenn ein Versorger den Strom (oder das Gas) zum versprochenen Tarif nicht mehr liefern kann, muss er als extrem unglaubwürdig gelten. Die Kunden könnten bei diesem Versorger zum Beispiel auf die Auszahlung eines Guthabens wegen Stromersparnissen warten, manche Kunden haben gar Vorauszahlungen geleistet. Diese gehen in aller Regel verloren. Wie prekär der Fall der Care Energy ist, zeigt sich unter anderem an der Warnung durch die Verbraucherzentralen und an Ermittlungen der Bundesnetzagentur gegen das Unternehmen. Es liege der Verdacht fehlender Leistungsfähigkeit vor, bestätigte ein Sprecher der staatlichen Agentur.

Dieser Verdacht hatte sich schon länger durch zahlreiche Verbraucherbeschwerden erhärtet. Care Energy hatte schon vor dem Streit mit dem Netzbetreiber 50Hertz Guthaben nicht mehr ausgezahlt und Abrechnungen nicht fristgerecht zugestellt. Bei den vier deutschen Übertragungsnetzbetreibern – nicht nur bei 50Hertz – hatte Care Energy Zahlungsrückstände. 50Hertz hatte daraufhin die Verträge wegen ausstehender EEG-Abschlagszahlungen gekündigt. Kurz darauf gab es noch eine Kündigung durch den Übertragungsnetzbetreiber TenneT, die Begründung war dieselbe wie bei 50Hertz. Das Unternehmen Care Energy hat in den letzten Jahren ein kompliziertes Firmengeflecht geschaffen, das intransparent erscheint. Kunden wurden mit absurd niedrigen Preisen geködert, am Ende konnte Care Energy nicht mehr leisten. Eine Kündigung bestehender Verträge wird daher dringend empfohlen.


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