Strom wird 2017 teurer – aber regional unterschiedlich

Strom wird 2017 teurer

Strom wird 2017 teurer – aber regional unterschiedlich

Ab 2017 müssen sich die deutschen Haushalte wahrscheinlich überall im Land auf höhere Strompreise einstellen. Die Erhöhungen fallen allerdings regional unterschiedlich aus, wie Erhebungen der beiden Vergleichsportale Check24 und Verivox ergaben. In Frankfurt dürfte der Strompreis durchschnittlich um 20 Prozent steigen, in Hannover und Braunschweig wahrscheinlich um mindestens 15 Prozent. Es gibt aber auch Regionen, in denen Netzentgelte als Bestandteil des Strompreises fallen, wodurch dieser nur mäßig oder auch gar nicht steigt. Das wird unter anderem für Köln, Bonn und Augsburg erwartet.

Hintergrund der Kostensteigerung bei Strom

Höhere Aufwendungen, darunter teilweise gestiegene Einkaufspreise für Rohstoffe, außerdem die steigende EEG-Umlage treiben die Preise. Die EEG-Umlage erhöht sich auf 6,88 ct/kWh (Cent pro Kilowattstunde), noch liegt sie bei 6,35 ct/kWh. Wie die Versorger diese Umlage in den Endkundenpreis einfließen lassen, bleibt ihnen überlassen. Sie müssen sie nicht komplett an die Kunden weiterreichen. Auch das verursacht regional sehr verschiedene Preiserhöhungen. Diese seien ein Alarmsignal, kommentierte Ulrich Grillo als Präsident des BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie) die aktuellen Meldungen. Die EEG-Umlage wachse fast dreieinhalb Mal stärker als die Wirtschaft, so Grillo.

Das belege aus Sicht der Industrie, dass das gegenwärtige Fördersystem für Ökostrom aus dem Ruder laufe. Dabei habe das Bundeswirtschaftsministerium eine Kostenbremse beim Strompreis versprochen, doch das sei wohl Wunschdenken. Industriebetriebe erklären inzwischen ihre Energiekosten zum Standortproblem. Der HDE (Handelsverband Deutschland) schloss sich der Kritik an. Die Belastungen sollten fairer verteilt werden. Vom Verband kommunaler Unternehmen kam ein adäquater Kommentar. Dessen Hauptgeschäftsführerin Katherina Reiche erklärte, die steigende EEG-Umlage und gleichzeitig steigende Netzentgelte würden Unternehmen und Verbraucher über Gebühr belasten. Reiche forderte einen intelligenteren Netzausbau. Seit 2000 gibt es die EEG-Umlage, mit den Einnahmen werden erneuerbare Energien gefördert. Im Gegenzug müssen die Übertragungsnetzbetreiber den Ökostrom zu weitgehend festen Preisen abnehmen.

Umstellung der EEG-Umlage ab 2017

Ab 2017 wird die deutsche Ökostromförderung komplett umgestellt. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz wurde erneut überarbeitet, ein von Anfang an geplanter Prozess, der den Ökostrom wettbewerbsfähig machen soll. Die Betreiber von Solar- und Biogasanlagen sowie größeren Windparks erhalten nicht mehr wie bisher eine feste Vergütung, sondern können auf neue Projekte bieten. Den Zuschlag erhalten Betreiber, welche die geringsten Subventionen verlangen. Das wird auch den Wettbewerb zwischen den einzelnen Arten von erneuerbaren Energien fördern. Diese erhalten nämlich bislang aus der EEG-Umlage sehr unterschiedliche Anteile, wie die Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, TransnetBW und Tennet aufschlüsseln:

  • Fotovoltaik erhält ~2,6 ct/kWh von der Umlage.
  • 1,8 Cent gehen in den Biomasse-Strom.
  • Windkraft an Land wird mit ~1,5 Cent bezuschusst.
  • ~0,9 ct/kWh bleiben für den Offshore-Windstrom übrig.

Die Umlage muss die Differenz zwischen dem Börsenpreis an der Leipziger Strombörse und den Erzeugerkosten ausgleichen.

Entwicklung des börslichen Strompreises in Deutschland

Der Börsenpreis ist in letzter Zeit durch den fallenden Ölpreis stark gesunken. Konventionelle Energie wird immer billiger, Ökostrom hingegen lässt sich noch nicht so günstig erzeugen. Die Diskrepanz gleicht die EEG-Umlage aus. Das bestehende Überangebot an Strom in den deutschen Netzen ließe sich aber drücken. Es würde genügen, etwas eher als geplant die letzten Atomkraftwerke vom Netz zu nehmen. Dagegen laufen deren Betreiber Sturm, die milliardenschweren Energiekonzerne haben Klagen angedroht oder klagen teilweise schon gegen die Bundesrepublik. Es dreht sich hierbei ausschließlich ums Geld, Versorgungsengpässe wären zu keiner Zeit zu befürchten. In Deutschland gibt es derzeit etliche kaum genutzte Gaskraftwerke, die für Spitzenlasten zur Verfügung stünden. Die Kapazitäten durch erneuerbare Energien lassen ebenfalls Spielräume nach oben zu. Eine weitere Stellschraube gegen zu viel Strom für zu wenig Geld wäre auch, ineffiziente Kohlekraftwerke allmählich abzuschalten. Hierzu ließe sich ein Ausstiegsplan aushandeln, auch könnten die CO2-Emissionen verteuert werden – oder beides.

Ist die EEG-Umlage gerecht?

Es wirkt schon mehr als paradox, dass durch ein Strom-Überangebot die börslichen Strompreise sinken und dafür der Endverbraucherpreis durch eine erhöhte EEG-Umlage steigt. Doch damit noch nicht genug: Die Hauptverursacher des Energieszenarios, nämlich die Kraftwerksbetreiber, zahlen selbst gar keine EEG-Umlage (wie auch viele andere Industriebetriebe nicht). Der Bundesverband Erneuerbare Energie listet in einem aktuellen Positionspapier für 2016 über 2.100 deutsche Unternehmen auf, die von der Umlage ganz oder teilweise befreit sind. Ihr geschätzter Jahresverbrauch liegt bei 107 Milliarden Kilowattstunden Strom. Im Jahr 2017 dürften diese Unternehmen 7,7 Milliarden Euro einsparen, welche private Verbraucher, kleinere Gewerbebetriebe und der Handel aufbringen.

Verkehrte Welt: Die Politik reagiert ebenfalls paradox, nämlich mit einem Abbremsen des Ausbaus erneuerbarer Energien. Die Linke im Bundestag findet daher die aktuelle „Kostendebatte verlogen“, gemeinsam mit den Grünen verweist sie auf Kohlestrom und Industrieprivilegien als wahre Problemfelder. Politiker der Koalition, allen voran SPD-Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel, argumentieren hingegen, die Stromkosten müssten unter Kontrolle bleiben. Getrieben von der Energielobby, vorrangig den Vertretern der konventionellen Erzeugung, bremst daher Gabriel seit einiger Zeit den Ausbau der erneuerbaren Energien. Die jüngste Reform des EEG trägt genau diese Handschrift. Die Zeche zahlen private Verbraucher.



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