Strom und Heizung auf dem Weg zum Luxusgut?

Strom und Heizung auf dem Weg zum Luxusgut?

Strom und Wärme werden bekanntlich immer teurer. Erste Stimmen warnen sogar schon vor einer drohenden Energiearmut in Deutschland. Wo die Preise steigen, muss man sparen. Doch wie können private Haushalte Energiekosten sparen?

Verlorene zwei Jahre lang haben Regierung und Opposition in Bundestag und Bundesrat nun damit verbracht, über ein Gesetz zur steuerlichen Förderung der energetischen Sanierung zu streiten. Die Regierungskoalition aus Union und FDP wollen die energetische Sanierung für Hausbesitzer steuerabzugsfähig machen. Der von der SPD dominierte Bundesrat hat das Gesetz aber abgelehnt. Die SPD bringt dabei vor, dass von einer Steuererleichterung natürlich nur Haushalte profitieren können, die auch Steuern zahlen. Damit fallen aber viele Rentner aus dieser Regelung raus, da sie zwar Wohneigentum haben, aber keine Steuern mehr zahlten. Damit fehlt bei diesem Konzept der finanzielle Anreiz zur energetischen Sanierung bei Rentnern praktisch völlig. Deshalb plädiert die SPD mehr für Zuschüsse zur Sanierung. Ob aus diesen unterschiedlichen Konzepten nach der Bundestagswahl eine Effizienzpolitik wird, die die Heizkosten der Haushalte in den Blick nimmt, ist „ergebnisoffen“.

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Die Caritas Frankfurt am Main hat einen ersten zaghaften Ansatz durch ein Beratungskonzept entwickelt. Bei dieser Idee werden Langzeitarbeitslose in einem Lehrgang von 100 Stunden zu „Stromsparhelfern“ ausgebildet. Mit diesem Know How ausgestattet, gehen sie dann in Haushalte von Hartz-IV-Empfängern, um diese beim Stromsparen zu unterstützen. Zwischen 2008 und 2012 haben die Berater auf diese Weise bereits 85.000 Haushalte aufgesucht. 2700 Langzeitarbeitslose sind in diesem Zeitraum weiter gebildet worden, jeder fünfte von ihnen hat nach dem Auslaufen der Maßnahme einen regulären Arbeitsplatz gefunden – allerdings kaum jemand als Energieberater. Ein Blick hinter die Kulissen verrät, dass die Stromsparhelfer oft nach nur drei Monaten bereits wieder aus dem Programm sind. Sie können also gar nicht von eignen Erfahrungen profitieren, weil sie gar nicht lange genug als Berater tätig sind. Aktuell seien immerhin 650 Stromsparhelfer im Einsatz. Bis 2015 sollen weitere 16.000 Haushalte beraten werden.

Stromsparhelfer

Die Beratung hat eigentlich sehr pragmatische Ansätze. Die Stromsparhelfer besuchen ihre Kunden zu Hause und messen zunächst die elektrischen Geräte auf der Suche nach Stromfressern durch. Danach werden im Gespräch mit den Mitgliedern des Haushalts deren Verbrauchsgewohnheiten analysiert. Einfache Veränderungen, wie der Einsatz von Steckerleisten, damit der Standby-Verbrauch vermieden wird oder der Austausch von klassischen Glühlampen durch LED-Leuchten werden direkt vor Ort erledigt. Dafür steht den Stromsparhelfern pro Haushalt ein Budget von im Schnitt 70 Euro zur Verfügung. In Nürnberg wurden die Sozialbehörden durch 5.000 Stromsperren allein im Jahr 2007 aufgeschreckt. Sie antworteten mit der Entwicklung eines eigenen Konzeptes. Dort beraten fünf professionelle Energieberater nicht nur Hartz-IV-Haushalte sondern alle Haushalte, die das wünschen. In Nürnberg geht die Energieberatung über die Stromsparberatung allerdings noch hinaus. Wird das Warmwasser etwas in einem veralteten Boiler bereitet, schreiben die Nürnberger Sozialbehörden die Vermieter an und bitten um Abhilfe. Ist ein Austausch nicht möglich, bekommen die Bewohner zumindest Hinweise und teilweise technische Unterstützung, um die Geräte effizienter zu nutzen.

Außerdem können all Nürnberger die Sozialbehörden konkret beauftragen, für sie günstigere Stromtarife zu finden. Der Wechsel eines armen Haushalts in einen anderen Tarif scheitert oft an den Bonitätsprüfungen der Stromversorger. Gerade die Ärmsten der Armen hätten deshalb kaum eine Chance aus ihrem ungünstigen und zu teuren Grundversorgervertrag herauszukommen. Wer Energieschulden hat, bekommt hier Hilfe dabei, eine Ratenrückzahlungslösung dafür zu finden. Um insbesondere finanzschwache Haushalte dabei zu unterstützen, ihre alten Stromfresser austauschen zu können, hat eine Nürnberger Tageszeitung eine Spendenaktion gestartet, mit der bisher 150 Haushalte einen effizienten Kühlschrank kaufen konnten. Teilnehmende Fachhändler liefern den neuen Energiesparer – Kühlschränke aus und nehmen den Alten mit. Die Rechnung geht direkt ans Sozialamt.

Nürnberger Modell

Das Nürnberger Modell wird einhellig für vorbildlich gehalten. Eine Ausdehnung dieses Programms ist sowohl angesichts des Bedarfs, der unaufhaltsam weiter steigenden Energiepreise Ergebnisse als auch der bereits erzielten Erfolge mehr als nur erstrebenswert. Im rein mathematischen Schnitt zahlen die Haushalte nach dieser ebenso kompetenten wie umfassenden Beratung gut 120 Euro oder rund 15 Prozent weniger für Strom und 130 Euro oder 22 Prozent weniger für Wärme. Das ist ein Modell, das übertragbar ist. Es ist sozial und auf andere Kommunen leicht zu übertragen. Es mag sein, dass sich hier und da die örtlichen Strukturen nur schwer dafür öffnen lassen. Im Vordergrund sollte aber immer der Mensch als solcher stehen. Das Programm ist einfach genial und genial einfach.



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