Steckt auch im Mondlicht Energie?

Steckt auch im Mondlicht Energie? Regenerativer Strom und die Weiterentwicklung der entsprechenden Technik sind längst eines der Kernthemen der Energiewende geworden. Ohne ihn braucht man auch über die Elektromobilität keinen weiteren Gedanken verschwenden. Nun will´s der deutsche Architekt André Brößel genau wissen und glaubt die Lösung für dieses Problem gefunden haben – manchmal hilft eben auch das Spiel mit Murmeln weiter…

Energiegewinnungssystem Beta.ray

Es ist eine Glaskugel, in der ein Teil unserer energetischen Zukunft stecken könnte. Dieser durchsichtige Ball ist mit vollkommen unspektakulärem destilliertem Wasser gefüllt. Seine Aufgabe wirkt auch eher unauffällig: Er bündelt Lichtstrahlen – deren Energie sich dann allerdings in Strom umformt. Kompliziert klingt das jetzt eher nicht. Trotzdem muss erstmal jemand darauf kommen. André Brößel, ein deutscher Architekt, der seinen Sitz in Barcelona hat, entwickelte aus dieser Idee das Energiegewinnungssystem Beta.ray. Funktionieren „tut´s“. Das Ganze soll nun unter der Flagge seiner Firma Rawlemon auf den Markt kommen.

So richtig vom Sockel haut einen diese Information allerdings erstmal auch nicht. Erst auf den zweiten Blick erschließt sich einem das Unglaubliche. Das System produziert den grünen Strom rund um die Uhr – eben auch des Nachts. Zu einer Zeit also, da normale Sonnenkollektoren ihre Ruhe haben, arbeitet diese Kugel weiter. Dabei bekommt sie aber von fast unerwarteter Stelle Unterstützung. Je nach Größe der Glaskugel werden die Strahlen im Zentrum des Brennpunkts bis zum 20.000 fachen verstärkt. Wohin nun damit? Dieses konzentrierte Licht wird dann wieder durch die schon bekannten Photovoltaikzellen und Mini-Generatoren, die Wärme absorbierenden, in Strom umgewandelt.

Solarzellen

Wenn Kinder mit Murmeln spielen. Die geistige Geburtsstunde hatte diese Technik am Frühstückstisch des Architekten. Seine Tochter kam zu ihm und legte ihm eine Glasmurmel in den Eierbecher. Mit den wachsamen Augen eines Akademikers hatte er dann weniger den Blick für die Murmel sondern für den Verlauf der Sonnenstrahlen. Als die Murmel in den Becher kam, wanderte der Brennpunkt im Becher. In dieser Beobachtung lag die Geburtsstunde seiner Firma Rawlemon. Deren bis dato einzige Produktfamilie heißt Beta.ray. Mit einer Höhe von rund 2 Metern wirkt das Gebilde ebenso dekorativ wie futuristisch. Neben diesen beiden auffälligen Merkmalen ist Beta.ray aber vor allen Dingen sehr effizient. Solarzellen stehen mit ihren 17 bis 20 Prozent Wirkungsgrad gut zu arbeiten. Unter Laborbedingungen schaffen sie es auf bis zu 44,7 Prozent Wirkungsgrad.

Glaskugelkollektoren

Rawlemon gibt dagegen an, den Wirkungsgrad mit den Glaskugelkollektoren schon jetzt einen Wirkungsgrad von über 50 Prozent zu erreichen. Wenn´s denn wahr ist, erreicht die Anlage auf einer 50 mal 50 Zentimeter großen Photovoltaikfläche bereits so viel Strom wie konventionelle Anlagen auf einem kompletten Quadratmeter. Damit wären diese Anlagen bis zu viermal so effektiv. Aber selbst mit diesen schon sensationellen Zahlen sind die Vorteile der Anlage noch nicht vollständig beschrieben. Eine weitere bemerkenswerte Eigenschaft dieser Erfindung ist das Microtracking. Diese technische Besonderheit sorgt dafür, dass die Photovoltaikmodule nebst der Mini-Generatoren schwenkbar sind. Das hält sie pausenlos im optimalen Winkel zum einfallenden Licht. Diese Eigenschaft macht es möglich, dass die Stromproduktion auch bei diffusem Licht funktioniert – selbst der nächtliche Mondschein reicht dafür aus. Dann wird aus der Solarenergie die „Lunar Energie“.

Die etablierten Photovoltaikanbieter glauben derweil, dass die konventionelle Technik noch genügend Entwicklungspotential hat – das diese Science-Fiction-Konstruktionen gar nicht gebraucht werden. Aktuell bietet Rawlemon das komplette Kollektorsystem bereits für umgerechnet 4.200 Euro an. Angeblich sei aktuell auch unter anderem VW an der Technik interessiert.

Ab Herbst soll´s dann eine zusätzliche Mini-Version des Beta.ray geben. Mit den Ausmaßen einer Wahrsager Kugel soll das Gerät reichen, um ein Smartphone zu laden. Prinzipiell ist das Interesse für die Kugel am Markt recht groß. Am Ende reicht bei der großen Variante das Mondlicht aus, um das E-Auto zu laden. Alternativ dazu kann der so erzeugte Strom natürlich auch in das Hausnetz eingespeist werden.

Nach „Beta.ray“ sind bereits weitere Projekte in Planung. Wenn sich das Kugel-Modul in der Praxis bewährt, will sein Brößel als dessen geistiger Vater künftig komplette Gebäude mit Energie-Sphären bedecken. Das hätte dann in der Tat zur Folge, dass ein so präpariertes Haus mehr Energie erzeugen würde, als die Bewohner im Inneren verbrauchen. In vier bis fünf Jahren soll die Serienreife erreicht sein.



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