Weniger Kaltreserve in Österreich
Nach dem von der Bundesregierung im vergangenen Sommer beschlossenen Ausstieg aus der Nutzung der Atomkraft war es Aufgabe der Bonner Bundesnetzagentur, mögliche Kaltreserven zu organisieren, falls die nach der Abschaltung der ersten Meiler noch verbleibenden Anlagen zur Gewinnung von Energie zu wenig Strom liefern sollten. Vor Kurzem wurde bekannt, dass einige der Kaltreserven bereits im Dezember – trotz milder Temperaturen – im Einsatz waren. Unter den Kraftwerken, die zur sogenannten Kaltreserve gehören, befinden sich auch drei ehemalige Gas- und Ölkraftwerke aus dem Nachbarland Österreich. Wie die “Welt” berichtet, seien die dortigen Kapazitäten, die für den Fall von Engpässen in Deutschland zur Verfügung stehen, jedoch geringer als bislang angenommen. Die Bundesregierung hatte ursprünglich vier Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von 1.075 Megawatt in ihren Planungen berücksichtigt, die Zeitung schreibt allerdings, stattdessen stünden nur drei Anlagen zur Verfügung, die zusammen auf 935 Megawatt kommen.
Eigentlich hätte noch ein Gaskraftwerk in Wien mit einer Leistung in Höhe von 140 Megawatt zur Kaltreserve gehören sollen, die Verhandlungen zwischen dessen Eigentümer und dem deutschen Netzbetreiber Tennet – der im Dezember die Kaltreserve in Anspruch nahm – seien allerdings zu keinem erfolgreichen Ende gekommen. Das Gaskraftwerk hätte im Ernstfall ungefähr 140.000 Verbraucher mit Energie versorgen können. Nach Angaben von Tennet sei die Lage bei den deutschen Stromnetzen trotz der niedrigeren Reserve, wodurch die Gefahr von Blackouts bei der Versorgung steigt, weiterhin beherrschbar. Allerdings wies erst am vergangenen Freitag ein Sprecher der Bundesnetzagentur darauf hin, die Situation sei weiterhin angespannt. Der von einigen nach dem Atomausstieg prognostizierte große Stromausfall blieb jedoch bislang aus.
Kommentar hinterlassen